Frei werden   12 comments

Was ist der Sinn des Lebens? Warum bin ich hier?

Solche Fragen stellen sich unwillkürlich. Unwillkürlich. Ja, man kann sie betäuben und verdrängen mit und ohne Bier. Doch sie kommen wieder. Und wenn sie nicht mehr kommen, existierst du nicht mehr in gewissem Sinn. Das kann die Lösung sein. Man hat sich aufgelöst schon vor dem Tod. Man ist kein Ort, kein Zentrum mehr. Nur noch Attribute und Akzidentien. Doch dann ist das Bewusstsein Sklave der Attribute und Akzidentien. Du funktionierst als Spielball der Bedingungen. Die Möglichkeit des menschlichen Geistes wurde verspielt. Und der Tod nimmt nichts mehr Wesentliches.

Vielleicht suchst du aber nach einer Antwort. Und bekommst viele. Religion und Philosophie sind voll davon. Du kannst tausend Bücher lesen und kriegst Millionen Antworten.

Doch, man soll schon lesen. Sich orientieren über mögliche Antworten. Aber irgendwann ist auch genug. Dann musst du die Antwort in dir selbst finden. Du brauchst dazu nicht jahrelange, übende, stufenweise raffinierter werdende Meditationspraxis nach irgendeiner komplizierten Anleitung, die dich zunächst mal zum spirituellen Deppen stempelt. Die Antwort kriegst du vergleichsweise einfach.

Nimm dir Zeit dafür. Das ist das Geheimnis. In fünf Minuten wacht man nicht auf. Wenn du diese Zeit hast, entferne dich vom Überflüssigen, von Begriffen und Dingen, die dir anhaften, dich aber nicht ausmachen. Dann knöpfe dir deine Attribute vor. Das Wesentliche an dir. Weg damit – für eine Weile. Dein Beruf zum Beispiel. Manchmal scheinst du nur noch dein Beruf zu sein. Jetzt leg ihn ganz zur Seite. Deine Art, wie du auf bestimmte Provokationen reagierst. Immer dasselbe. Eine getriggerte Reaktion. Du kennst sie, wenn du ehrlich bist. Zur Seite damit. Deine Argumente. Zur Seite. Und so weiter. Bis du wirklich ganz nackt bist. Das ist nicht einfach. Deine Attribute schreien nach dir.

Was ist der Sinn des Lebens? Warum bin ich hier? Jetzt mutieren die Fragen: Wer bin ich? Wer ist ich? Was ist ich? Was ist? Es geht um den Ort, wo dein Bewusstsein stattfindet, dein Zentrum. Die Fragen zuvor scheinen existentiell, drehen sich aber mehr um deine Attribute und deine Peripherie (Was ist meine Aufgabe im Leben? zum Beispiel).

Wenn die Eigenschaften aus dem Weg geräumt sind, dann bist du leer. Auch das ist Wirklichkeit. Jetzt siehst du: Deine Substanz, dein Ich, das sind nur deine Attribute, dein Funktionieren in der Welt, dein Verzahnt-sein in der Welt, der Austausch mit der Welt, Gespräche und Stoffwechsel. Aber jetzt bist du leer. Reines Bewusstsein, zwecklos, ziellos, sinnfrei. Da gibt es kein reines Ich, kein verborgener Homunculus. Das war die Illusion.

Ein Gefühl der Leere sei ein Symptom einer Krankheit, die Borderline-Persönlichkeitsstörung genannt wird. Was für ein Irrtum. Das Leiden an dieser Leere kann zwar ein Symptom sein. Wenn du der Leere bewusst begegnest, können sich Angst, Leid, Deprimiertheit, Glück, Freude, ja jegliches Gefühl entladen. Was sagt das dir jetzt? Schnell zurück zu meinen Eigenschaften, Funktionen und Nebensächlichkeiten, damit ich mich wieder spüre und den Spuk vergesse? Vielleicht.

Vielleicht kommst du auch wieder an den reinen Ort, wo nichts ist, außer der Wahrnehmung des Nichts? Vielleicht verändert es dich. Vielleicht kannst du ruhiger werden. Dem verrückten Funktionieren in der Welt eine Portion Gleichmut entgegenhalten. Und anderes. Das hängt nun von deiner Freiheit ab.

Veröffentlicht Februar 22, 2012 von tom-ate in Fragen, Spirituelles

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Spielraum   12 comments

Auf dem Lebensweg kann man

gehen und verweilen,

suchen und finden,

wähnen und spielen,

lieben und loslassen.

Im Wesentlichen.

Diese Ein-Sicht erzeugt Demut oder Bescheidenheit im Bewusstsein.

Allerdings hängt die Stimmigkeit dieser Beschränkung des Spielraums an den Definitionen dieser Möglichkeiten, wie immer wenn wir mit Worten malen. Besonders wenn ich Demut oder Bescheidenheit ablehne, rede ich eher von menschlicher Schöpferkraft. Für mich erschöpft sich diese jedoch in einer bunten Mischung aus Wahn und Spiel.

Veröffentlicht Februar 19, 2012 von tom-ate in Spirituelles

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Blind und taub werden?   28 comments

Solange die Welt dualistisch daherkommt, bietet sie weniger Probleme: Gott und die Welt, Geist und Materie, Subjekt und Objekt. Dass wir diesen Formeln auch misstrauen, ist nun mal so. Jetzt wollen wir es jedoch ausbaden (Dass sie auch nicht zwingend EINE Dualität bilden, ist noch mal ein anderes Thema).

Was steckt hinter der Dualität, hinter dem Schleier der Maya? Das Eine, der Geist, Gott, Nichts? Die Absurdität des menschlichen Lebens, wie sie Camus beschrieben hat, wird um die Absurdität des Seins insgesamt ergänzt. Das Problem ist aber nur so lange eines, als man darüber nachzudenken gewillt ist.

Das haben die Gurus der Welt längst erkannt und speisen die frommen Leut daher mit Leer- und Totschlagformeln am laufenden Band ab. Denn all die Phänomene, all die Dinge und Affen hier draußen, muss man nur mühsam erklären und verstehen lernen, solange man nicht sagt: Das ist alles Quatsch. Es gibt nur den Osho, der sich in diesen Phänomenen verstrickt hat. Aber jetzt weg damit. Punkt. Oder so ähnlich.

In einem Punkt haben sie Recht, die Gurus. Mit Vernunft, menschlicher Vernunft lässt sich das Rätsel der Non-Dualität nicht lösen (nur schärfer betrachten). Denn die Vernunft kennt tausend Widergründe ihre Spielzeuge, sprich ihre Objekte, nicht herzugeben.

Deshalb neigen Spirituelle dazu, der Vernunft abzuschwören. Sie wollen naiv werden. Wir hatten das Bild hier schon missbraucht: Die Sehnsucht nach der Geborgenheit im, ja sogar nach der Einheit mit dem Uterus.

Die Welt als unendliche Fruchtblase. Fertig.

In gewissem Sinne ist das sogar wieder richtig. Nicht vernünftiges Nachdenken führt zu mystischen Erlebnissen. Bleibt die Frage, ob mystische Erlebnisse das sind, was man auf spirituellem Weg überhaupt anstrebt. Ich habe mich hier mit einer Studie auseinandergesetzt, die zeigt, dass mystisches Erleben auf eine Hirnfunktionsstörung zurückgehen kann (nicht muss). Auch das schöne Video von Frau Bolte Taylor, lässt uns erahnen, was das Problem wirklich ist.

Der normale Wachzustand, das Tageswachbewusstsein, muss aus evolutionären Gründen das Gegenteil einer spirituellen Erfahrung sein. Das ist der Fluch. Wir sind programmiert durch die Naturgeschichte, ein funktionierendes, ständig optimierendes Subjekt in einer Welt voller Mitsubjekte (Konkurrenten und/oder Kooperierende), voller Fressfeinde und voller Fressopfer zu sein. Damit wir den Wahnsinn gegenseitiger Verstoffwechslung mitmachen, hat die Evolution Endorphine, Dopamin und andere schöne Moleküle in uns hineingebaut, die zuverlässig, kybernetisch gesteuert, darüber wachen, dass immer schön weitergespielt wird. Alles andere sei der Tod, sagen uns die Phänomene und die Ökonomen.

Eben: Die Tretmühle. Das hedonistische Hamsterrad, meinetwegen. Aber genau hier setzt die Vernunft ihren Hebel an: Will ich dort der Idiot vom Dienst sein, getrieben durch Schlüsselreize, diesen primitiven – Phänomenen, die mein Hirn mir erst zu Schlüsselreizen zusammenschustert? He? Will ich das sein?

Deshalb hat Spiritualität mit Verstand und Vernunft zu tun. Die Phänomene konstruiert mein Automat Hirn, aber ich kann mich darauf verlassen, dass sie auf eine Realität da draußen verweisen. Aber wenn ich nicht mehr der reizgesteuerte Idiot sein will, will ich dann ein asketischer Buddha, also ein erleuchtetes Nichts im Nirvana sein (Für die Buddhisten: das ist nicht die korrekte Frage des Buddhisten, sondern die des Gerade-eben-noch-Idiot-gewesenen)? Das ist die erste und letzte spirituelle Frage. Diesen Weg individuell zu finden, ist die erste und letzte spirituelle Aufgabe.

Was ist eigentlich Meditation und was genau kann ich dadurch erreichen?   Leave a comment

Fundstück zu den Themen Meditation und wie alles eigentlich viel einfacher ist, als man denkt:

Was ist eigentlich Meditation und was genau kann ich dadurch erreichen?

Bruchstück buddhistischer Ethik   8 comments

Den letzten Beitrag kann man drastisch vereinfachen:

Das Nichterfahrbare bleibt für immer unzugänglich.

Was uns bleibt ist die Botschaft der Gewaltlosigkeit, des Friedens, der Liebe und des Mitleids. Die Achtung vor allem Lebendigen und die Enthaltung von Selbstsucht, Haß und Gewalt.

Nimmer hört im Weltenlauf die Feindschaft je durch Feindschaft auf,

durch Liebe nur erlischt der Haß, ein ewiges Gesetz ist das.

Durch Sanftmut triff den Zornigen, den Bösen durch die gute Tat,

schenkend besieg den Geizigen, den Lügner durch das wahre Wort.

(aus dem DHAMMAPADA)

Transzendenz zwischen Wirklichkeit und Wunschwelt   4 comments

Wie könnte ich je Gewissheit erlangen, ob das Eine, das Absolute, Dao oder Gott – egal welche Wortmarke man für sich wählt, um das mit den Sinnen nicht Erkennbare zu bezeichnen – ob das Transzendente real ist oder ob es nur aus einem verständlichen Bedürfnis heraus gerade mal die Wirklichkeit eines fliegenden Spaghettimonsters besitzt?

Ist das “Transzendente” der Welt immanent?

Und warum das Eine? Wären nicht genauso gut eine Vielzahl transzendenter letzter Tatsachen, die in ihrem Zusammenwirken die Welt erschaffen – möglich?

Sobald ich dem Einen, etc. irgendeine Eigenschaft unterstelle, begehe ich den grundlegenden Fehler, das Absolute als Abklatsch menschlicher Psyche zu “verstehen”. Denn anders als vom Menschen aus kann ich gar nicht denken. Anthropomorphisierung kann immer nur eine Mythologie (eigentlich nur einen Mythos) begründen.

Wenn ich also nichts über das Absolute sagen kann, was kann ich dann noch tun? Für mich bedeutet dies in erster Linie trotzdem, ja trotzdem eine Moral zu begründen. Unsere Freiheitsgrade wären sonst zu groß, um ohne Religion, ohne Zwangsmoral, ohne Mythologie nicht in der Barbarei zu versinken.

Und dann: Ist nicht die Idee des Guten auch transzendent…?

Veröffentlicht Januar 27, 2012 von tom-ate in Fragen

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Ein Schritt verändert die Welt   18 comments

Vom Meditieren schreiben, hmm, wie macht man das denn? Vor allem wenn man so überhaupt kein Guru ist. Niemand sucht hier in diesen “Landmarken” nach einer Anleitung zu meditativen Übungen. Egal, ich schreib mir das einfach mal so vom Leib.

Das meiste, was man in der weiten Welt zum Thema Meditation finden kann, ist jedoch überkandidelt. Es ist, wieder einmal, viel einfacher. Meditieren bedeutet nichts anderes als Nachdenken. Ganz einfach? Eben doch nicht. Versucht man mal zu einem bestimmten Thema seine Gedanken zu ordnen, wird man erstens feststellen, dass man mehr oder weniger sprunghaft im Denken ist und man zweitens von tausend Dingen abgelenkt wird. Beep, ein neuer Kommentar zu meinem Blogbeitrag, zum Beispiel.

Darum übt man – also jetzt reicht’s mir mit dem man – übe ICH konzentriertes Nachdenken. Nicht nur das. Konzentriertes Nichtdenken ist auch eine Übung, die es in sich hat. Aber warum? Will ich mich in meiner kognitiven Leistungsfähigkeit verbessern? Warum nicht. Wer das will, dem kann gezielte Meditation durchaus helfen. Und sonst? Einfach um mich und die Welt erstmal kennenzulernen.

Das Thema der Einbettung dieses Tuns in eine “Weltanschauung” lassen wir mal (fast) weg. Ich schau mir die Welt einfach an! Intuitiv. Die Fragen kommen und gehen und die Anschauungen, wie und was die Welt ist, sind auch veränderbar. Das hat man (hmm, wie bringt man das weg?) zwar nicht so gerne. Eine felsenfeste Überzeugung, ein unverrückbares Bekenntnis – die wirklich ganz großen Dinge, wow, die sind es doch, die mir  Halt im Leben geben…? Na, wie oft hat sich dieser Fels denn schon verrückt? Ein paar mal zuviel, um nicht zu vermuten, dass diese unsere Welt eben verrückt ist.

Zum Meditieren muss ich nicht sitzen. Das ist so eines der Vorurteile. Da sitzen, zazen auf gut Zen, die Mönche und meditieren sich in ihre Erleuchtung hinein. Möglich, aber nicht nötig. Im Gehen meditiert es sich zum Beispiel vortrefflich. Der Rhythmus des Schritts hilft die Kognition zu ordnen.

Manchmal gehe ich meditativ und dann denke ich nur: Ich gehe. Gehe gedanklich mit dem Körper mit, der mich dazu gar nicht bräuchte. Er geht und läuft, ohne dass ich die Muskeln bewusst steuern müsste. Gedankliches Mitgehen führt sogar zur Irritation der unbewussten motorischen Muster. Also muss ich langsam gehen, wenn ich meditiere. Ich gerate dann manchmal aus dem Gleichgewicht, stolpere und denke: Oh, ist das Gehen eine anspruchsvolle Sache. Dann geht’s weiter. Ich sage: linker Fuß und setze meinen linken Fuß tapfer nach vorne. Ich sage: rechter Fuß und setze meinen rechten Fuß ebenso mutig in diese Welt hinein. Und so weiter. Und bleibe gedanklich dabei. Eine schöne Weile lang. Nach einigen solchen Gehmeditationen kommt vielleicht der Moment, wo es einem plötzlich dämmert: Scheiße, ich gehe! Ich gehe! Ich habe keine Wurzeln, bin kein Baum, bin losgelöst von dieser Erde. Ich könnte mit beiden Füßen zugleich hochspringen in diese frische Luft hinein. (Es ist ein Unterschied, das nur zu schreiben, nur zu lesen oder eben selbst zu erleben!)

An diesem Punkt angelangt, bin ich naiv geworden. Und dann stelle ich erst die richtigen Fragen. Denn ein einziger Schritt verändert die ganze Welt. Die Bedeutung der Lokomotion, diese verrückte Erfindung der Evolution, wird dir dann auf einmal glasklar vor Augen geführt. Diesen Schritt, den du bisher im Selbstverständlichen nicht wahrgenommen hast. Jetzt ist er da. Jetzt in deinem Bewusstsein. (Und all die Witze, die man über solches Tun machen kann, gehören schon dazu.)

Diese Naivität zuzulassen, runter zu steigen vom Olymp des Bildungsbürgers mit seinen geistreichen Modellen, Möglichkeiten und Inszenierungen, hinein in die aktuale Welt, das ist die entscheidende Veränderung. Jetzt lässt du Spiritualität als Erlebensdimension zu. Vorher hast du bestenfalls darüber gesprochen.

Krieg und Frieden   1 comment

Der Wunsch geborgen zu sein, ist ein Motiv, das fast jeden hin und wieder an- oder überfällt. Bis hin zur absoluten Regression – einer entwaffnenden, also doch attraktiven Sehnsucht. Nicht nur rückwärts in die Arme der liebenden Mutter fließen, nein weiter zurück in die Gebärmutter, in die Schwerelosigkeit des warmen Fruchtwassers, der Mutter aller Wellnessangebote, wo all die störenden Geräusche unserer Schaffenswut auf ein Minimum herunterreguliert wären. Aaah.

Die Kulturmaschine, die uns umgibt, die uns täglich dröhnend den Takt für ihren Feldzug trommelt, hat einen fleißigen Gehilfen im Hirn, der eine drohende Verebbung des Fortschritts um des Fortschritts willen zu verhindern weiß. Freud nannte ihn Über-Ich, diesen strengen Vollstrecker des “Notwendigen”. Über meinem Ich wird Es verhindert. Ferngesteuert durch automatische Kriegsziele, die wir mit schönen Begriffen wie Wachstum, Sachzwang, ökonomische Gesetzmäßigkeit zu benennen pflegen.

So hat sich eine Ordnung erschlichen, in der Welt da draußen wie in unserem Seelenheil. Widerstandsnester existieren also noch in der Form dumpfer, tumber – reaktionärer! – Sehnsucht nach Ruhe, Geborgenheit und Frieden. Der Acedia, der religiösen Gleichgültigkeit, einer der sieben Todsünden, entspricht heute dieser ab und an gefährlich aufflammende Wunsch nach völliger Regression. Damit wir nicht exkommuniziert oder gleich gesteinigt werden, müssen wir diese Sehnsucht tunlichst als Burnout verbrämen. Oder genauer noch: Wir müssen erst ein Übermaß von unserem Fleische dem Gott des Fortschritts geopfert haben, um diesen milde zu stimmen – für eine “Auszeit”.

Dann dürfen wir uns sogar neu erfinden, in Talkshows über die bereichernde Erfahrung eines Rückzugs in den Uterus sinieren und bunte Pfade freitrampeln in den Nischenangeboten der Megamaschine.

Die gesellschaftlichen Zwänge haben ihre kybernetischen Regelwerke weitgehend von den wenig erbaulichen öffentlichen Hinrichtungsplätzen in den präfrontalen Kortex verschoben. Alles was es dazu brauchte, war die Verbreitung des Tausch- Suchtmittels Geld, das der Hirnphysiologie besonderen Anreiz zur Kooperation mit der äußeren Maschinerie vermittelt.

In Zeiten des Friedens tobt der Krieg lächelnd in unseren Gehirnen. Nun wäre es am Individuum einen gerechten Frieden zu schließen und neue, lebenstaugliche Regelsysteme zu entwerfen.

Der Funke Leben   17 comments

Vom Standpunkt eines Biologen aus betrachtet ist der Tod gar kein Rätsel. Er ist das ganz Normale. Das Leben ist das Erstaunliche, das zu Erklärende.

Zwischen dem ewigen Tod blitzt es kurz auf. Wozu? Worauf verweist es? Auf nichts!? Aber selbst dieses kurze Blitzgewitter ist vielen Menschen noch viel zu lang. Kaum auf der Welt, sehnen sie sich schon nach ewigen Schlaf. Häftlinge ihrer selbst? Realisten?

Veröffentlicht Januar 19, 2012 von tom-ate in Fragen

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Es ist viel einfacher…   4 comments

Der aufgeklärte Geist lächelt milde und herablassend, so er auf den Begriff “Erleuchtung” oder “Erlösung” stößt. Was für kindliche Gemüter, die meinen, sie seien erleuchtete, erlöste Personen oder auf dem besten Weg dahin. Sie seien also mehr oder noch mehr als ein aufgeklärter Mensch sein könne bzw. vernunftbedingt sein dürfe. Dabei sind sie doch einfach unterbelichtet und verwechseln ihre kindliche Düsternis mit einem Leuchtfeuer.

Hm, das ist nur ein Missverständnis mehr. Und die (menschliche) Welt ist bis unter ihren Rand abgefüllt mit Missverständnissen.

Spiritualität bedeutet doch einfach zu erwachen aus den Illusionen, aus den Träumen, die durch eine komplexe Wechselwirkung erblühen. Einer Wechselwirkung von evolutionär bedingt im Menschen kumulierten spielerischen Möglichkeiten, sich in Samsara-Ziele festzubeißen mit den bereits materialisierten Folgen dieses Festbeißens, was wir gerne euphemistisch Kultur nennen, den Spiegeln unserer Illusionen. Dieses Erwachen bedeutet nicht ein Noch-Mehr sondern ein entscheidendes Weniger: Aussteigen aus der Tretmühle, aus den blindwütigen Motivationen, die uns hier- und dorthin hetzen, bis uns die Zunge am Boden festklebt (Auch Erwachte können sich an den Gedanken der Aufklärung erfreuen; sie sehen sich vielmehr im Grundgedanken der Emanzipation bestätigt und auch die Notwendigkeit, fürs leibliche Wohl sorgen zu müssen, ist ja durchaus nicht illusionär).

Spiritualität bedeutet Klarheit. Sehen, was wirklich ist. Loslassen der Illusionen, die zutiefst im eigenen Selbstverständnis hocken. Dadurch entsteht erst der Raum für die bedingungslose Liebe.

Erleuchtete Personen hingegen sind Hirngespinste – von wem auch immer.

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